Das Scheitern ist ein zentraler Pfeiler der PR. Nicht im Sieg, sondern in der Niederlage erweist sich der Profi. Nichts einfacher, als den Siegeszug eines Unternehmens, Produkts, oder C-Level-Guys zu begleiten. Das ist schnell interpretiert, bebildert, vernetzt und geliked.

Aber das Scheitern? Die Schwierigkeiten beginnen bereits in der Phase der Zieldefinition. Während der Sieger ja einfach auf ein „schneller, höher, weiter“ setzen kann, ist dem Gescheiterten, bzw. dem Scheiternden damit nicht geholfen. Soll Rache genommen werden? Soll das Scheitern mit allerletzter Kraft irgendwie doch noch verhindert werden? Soll der Boden bereitet werden, um später wieder auferstehen zu können? Soll das eigene Vermächtnis unbeschädigt bleiben? Und so weiter, und so fort.

Gerade Machtmenschen mit narzisstischer Neigung (also alle Führungskräfte) und der Unfähigkeit, Fünf auch mal gerade sein zu lassen (also fast alle Führungskräfte), tun sich schwer damit, die Fakten zu akzeptieren. Sie wollen lieber das letzte Gefecht mit Blut und Ehre, als die ökonomischste Lösung. Lieber gegangen werden als gehen, aller Vernunft zum Trotz. Und deshalb ist das Scheitern meist so krachend. Viele Führungskräfte in Wirtschaft, Politik und Verbandwesen verdrängen nicht nur, dass der Fallschirm wohl defekt ist, nein, sie schaffen es auch noch einen Gusseisenblock beim Absprung mitzunehmen. Das alles macht die Kommunikation des Scheiterns zu einem Ritt auf der Rasierklinge.

In letzter Zeit haben wir viele Alpha-Tiere scheitern sehen. Ob KT Guttenberg oder Uli Hoeneß, Bernd Lucke, Ferdinand Piech, oder Sepp Blatter – keiner hat das Scheitern besonders elegant und zukunftsorientiert durchgezogen und kommuniziert.

Keiner? Falsch. An Yannis Varoufakis muss man die lässige Art seines Scheiterns absolut bewundern. So sehr er einem in den letzten Monaten auf den Keks ging, so perfekt ist sein Abgang. Scheitern? Welches Scheitern? Hier seht Ihr mich heiter mit einem Latte Macchiato, einem Motorradhelm, oder einem iPhone 6 rumfummelnd. Alles cool, alles easy. Das Scheitern ist kein Scheitern, sondern eine konsequente Umsetzung einer Haltung. Ein Lehrstuhl und sonstige hochdotierte Bühnen werden sich schon finden. Ungezähmt, unbesiegt, ungebrochen. Man muss sich Yannis als tiefenentspannten Menschen denken.