Besonders abstoßend und perfide ist ja häufig nicht das Gesagte, sondern das Ungesagte, dass durch eine per se harmlos wirkende Aussage ja erst konstruiert wird. Fast so, als würden die Monster in den dunklen Ecken erst dadurch entstehen, dass ein Teil des Zimmers durch den Lichtkreis einer Tischlampe beleuchtet wird. Dieses Phänomen hat in jüngster Zeit die AfD auf die Spitze getrieben. Als Beispiel mag das Wahlplakat der bayerischen AfD dienen, auf dem der bayerische Spitzenkandidat der Truppe fordert: „Linken Terror stoppen!“. Das Ungesagte ist hier natürlich nicht, bzw. nicht in erster Linie, dass der linke Terror in Deutschland in einem Ausmaß und in einer Struktur existiert, dass er gestoppt werden muss. Auch nicht, dass das böse Kartell aus Publizistik, Polizei und Politik diesen Terror ignoriert. Nein, die Aussage ist, dass die AfD den rechten Terror gar nicht stoppen will. Und wer’s hören will, kann es auch raushören. Unterstellung? Vielleicht. Aber gerade mit solchen dreckigen Vielleichts arbeitet die AfD.

Dieses perfide Spiel wird aber auch eine intellektuelle Etage höher gespielt. Schönes Beispiel ist „CATO – Magazin für neue Sachlichkeit“, das vor kurzem in ziemlich wertiger Aufmachung neu auf den Markt kam. Nach eigenem Bekunden versteht sich CATO „als das meinungsbildende Medium, das für den vergessenen Wert des Bewahrens eintritt. Was hilft uns weiter? Worauf können wir zurückgreifen? Was sollten wir pflegen?“ Was dann einen im Magazin begrüßt, ist aber erstmal der Gastbeitrag eines ehemaligen Journalisten und Bundestagskandidaten der AfD, der sich als Historiker vorstellt und die übliche braune Schlagwortsoße, gespickt mit falschen Statistiken und absurden Thesen serviert. Das Ungesagte ist auch hier durchsichtig: Nicht der Inhalt ist wichtig, sondern die pseudo-provokative Geste der angeblich pluralistisch-inklusiven Debatte. Und so geht es munter weiter. Das ganze Magazin ist geprägt von der beleidigten Attitüde der vom Medienkartell verunglimpften. Hinzu kommt das übliche Repertoire der „konservativen Intellektuellen“ bestehend aus fünf Namen, die deren Horizont seit Jahrzehnten definieren. Gewürzt wird das Ganze durch eine fast schon skurrile Arroganz und natürlich die „mutige“ und vordergründig differenziert und wissenschaftlich gefärbte Auseinandersetzung mit den Flüchtlingen – denn das ist es letztlich, was den tatsächlichen, den einzigen Kern des intellektuellen Bezugssystems der „wahren“, deutlich rechts von der CDU stehenden, Konservativen in Deutschland auszumachen scheint: Ein tiefes nationalistisches, pseudo-christlich verbrämtes Ressentiment. „Für rechte Wut muss niemand bezahlen. Davon quillt das Netz schon über“, kommentierte die NZZ völlig zurecht.

Was aber das Magazin  (2 gute, fast von Thoreau inspiriert wirkende, Beiträge mal ausgenommen) vollends entzaubert, ist die obsessive Vereinnahmung der Juden. Da entblödet sich die o.g. AfD-Figur nicht, Hannah Arendt zu vereinnahmen, da wird Walther Rathenau gehuldigt (wobei aber sein „jüdischer Selbsthass“ natürlich dennoch nicht unerwähnt bleiben darf), da muss der eigentlich kluge israelische Historiker Martin Van Creveld einen schnell kompilierten Wikipedia-Beitrag über den Nahen Osten beisteuern und natürlich muss der Chefredakteur Andreas Lombard auf seine eigene jüdische Abstammung hinweisen. Warum nur das alles? Eine Antwort ist wohl nicht notwendig.

Nein, CATO ist kein Magazin für neue Sachlichkeit, oder Ausgewogenheit. Es ist keine angemessene Antwort auf die in der Tat existierende Dummheit linker Übertreibungen. Es wird von einem explizit sehr rechten Verleger herausgegeben. Es sucht den billigen Effekt, die vorhersehbare und billige Provokation. Es treibt ein sehr durchsichtiges Spiel mit dem Ungesagten – und ist damit ein banales Produkt des Zeitgeistes.

Dimitrij Naumov