Perspektiven

Reloaded XX: Straight outta Facebook

Der Film “Straight outta Compton” – die Geschichte von N.W.A., mit Sicherheit einer der besten Rap-Gruppen aller Zeiten, hat viele Fragen aufgeworfen, die nun heiss diskutiert werden. In der Kritik steht – natürlich  – die subjektive und beschönigende Geschichte, die Dr. Dre und Ice Cube da erzählen. Insbesondere die Frauenfeindlichkeit der Band und die mehrfachen Tätlichkeiten von Dre gegen Frauen, die im Film komplett ausgeklammert werden, haben für eine sehr breite und heisse Diskussion in den USA gesorgt. So heiss, dass sowohl Dre als auch der Geschäftspartner Apple sich nun zu Statements genötigt sahen.

Zu Recht – denn Dre und Ice Cube wollen mit dem Film nicht einfach noch paar Millionen machen – sie wollen ihre Geschichte kanonisieren, mit ihrer eigenen Interpretation abschliessend verplomben und fürs Museum bereit machen. Ein an sich trivialer Vorgang, wie man ihn seit der Antike kennt.

Nun funken ihnen aber die von Dre misshandelten Frauen mächtig dazwischen: Die Schneeballeffekte von Facebook & Co., ihre millionenfach geteilten Beiträge, erlauben ihnen eine so hohe Visibilität, dass ihre Perspektive nicht ignoriert werden kann.

Zumindest könnte man das meinen.

Die Wahrheit ist indes eine andere. Die Kommunikation in den sozialen Netzwerken ist so fluide, so flüchtig, dass nichts, was darüber verhandelt wird, Bestand hat. Diese Dynamik verhindert, dass Bleibendes generiert wird, dass die von N.W.A. geschaffene Storylines nachhaltig korrigiert werden. Die Pluralismus- und Demokratisierungseffekte sozialer Medien reichen nicht weit und sie haben innerhalb eines Diskurses keinen überdauernden Bestand. Facebook & Co. sind bestens geeignet für einen richtig lauten Aufschrei, nicht aber dafür, Interpretationsräume strukturell zu beeinflussen. Sie haben keinen Hebel gegen die Instrumente der großen Player.

Selbst wenn man es gern anders hätte: Auch im Zeitalter der sozialen Medien bleibt die herrschende Meinung die Meinung der Herrschenden.

Reloaded