Der 445.000 Dollar Tweet

Die Nachricht der Woche hat 280 Zeichen – ah nein handelt von 280 Zeichen. Soviel Platz räumt nämlich Twitter ab sofort seinen Usern für Gruß-/Hass-/Befindlichkeitsbotschaften ein. Eine Wahnsinnsinnovation, der Börsenkurs von Twitter sprang auch gleich um 0,33% nach oben. Meiner Meinung nach ein kurzes Zucken der Fieberkurve vor dem mehr oder minder langsamen Tode. Denn mit der geänderten Zeichenvorgabe hat sich Twitter ja auch vom einzig relevanten USP verabschiedet, auf dem die komplette Brand Story beruhte. Und der sicher auch die nächsten 500 Jahre in jeder Online-Chronik der WWW-Geschichte bzw. jeder Bachelorarbeit zum Phänomen Digital Natives eine ganz wichtige Rolle spielen wird.

Storytelling 1.0: DONT GET BORED!

„Das Feedback aus der Testphase besagte, dass Nutzer sich mit der erhöhten Zeichenzahl zufriedener fühlen, da sie sich auf Twitter besser ausdrücken und gute Inhalte finden können“, so begründet das Twitter, genauer Aliza Rosen in ihrem Blogbeitrag. Was man halt so schreibt, wenn die (gefühlt) legendärsten Nutzer ein „Loose Cannon“ POTUS, Kim Kardashian und Grumpy Cat sind.

Apropos POTUS: Falls Sie den 0,33% Kurssprung schon WOW fanden, wird Sie die nächste Information richtig umhauen: Wie erwartet stürzten sich heute die Gazetten auf die naheliegende Frage, was denn der Angry White Man im Weißen Haus mit der neuen Tweet-Freiheit so anzufangen gedenkt. Hatten wir seine zu kurzen Botschaften an „Little Rocket Man“ vielleicht ganz falsch verstanden? Oder wird nun alles viel schlimmer, zumal laut SPIEGEL ja offenbar mittlerweile ganz Washington so paralysiert auf Trumps Twitter-Account bzw. digitales Storytelling starrt wie der Drogenhase im Wunderland in seine Teetasse? Schnell mal dorthin geklickt:

  • „Looking forward to a full day of meetings with President Xi and our delegations tomorrow. THANK YOU for the beautiful welcome China! @FLOTUS Melania and I will never forget it!“
  • „NoKo has interpreted America’s past restraint as weakness. This would be a fatal miscalculation. Do not underestimate us. AND DO NOT TRY US.“
  • On behalf of @FLOTUS Melania and I, THANK YOU for an unforgettable afternoon and evening at the Forbidden City in Beijing, President Xi and Madame Peng Liyuan. We are looking forward to rejoining you tomorrow morning!

Wow. Im Sinne von: Yawn. AND DO NOT FALL ASLEEP. @Melina N E V E R!!

Money Money Money

Dagegen finde ich die von seriöseren Quellen kolportierten Zahlen zum Marktwert von Donald Trump für Twitter schon wesentlich spannender. Vor gut drei Monaten schätzte den ein Online-Analyst auf zwei Milliarden Dollar, fast ein Fünftel des damaligen Wertes von Twitter (siehe Bloomberg-Artikel). Bei durchschnittlich 4.500 Tweets pro Jahr könnte man also ganz steil behaupten, dass ein Beitrag des „Tweeter in Chief“ irgendwas um die 445.000 Dollar wert ist, für wen auch immer. Vorausgesetzt, der Marktwert bleibt jährlich konstant und steigt („Little Rocket Man“) oder sinkt (tatsächlicher Atomkrieg) nicht rapide.

Das ist schon ziemlich cool. Und Spaß beiseite: diese Form der Monetarisierung entspricht wesentlich genauer dem eigentlichen Geschäftsmodell von Twitter & Co. abseits von „besser ausdrücken und gute Inhalte finden können“. Nämlich dem Ziel, die Big-Data-Informationen in harte Währung umzumünzen. Doch während Facebook, Google, Instagram hier schlüssige Konzepte vorweisen können, erhöht Twitter auf 280 Zeichen.

Wie gesagt: Wow.

André Nowak

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